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Kommunizieren ist Silber, Zuhören ist Gold
Viele Paare erleben es: Der Alltag wird lauter, die Beziehung leiser. Zwischen Absprachen über Kinder, Termine und Einkäufe bleibt wenig Raum für tiefe Verbindung. Die Kommunikation reduziert sich auf Funktion. Ihr redet ständig – aber irgendwie nicht miteinander.

Dabei ist Kommunikation das Lebenselixier der Beziehung. Nicht nur sachlich, sondern auch emotional. Esther Perel sagt:
„In der Liebe geht es nicht um die Menge an Kommunikation, sondern um die Tiefe der Verbindung.“
Guy Bodenmann (2016) spricht hierbei von einem Mangel an Beziehungskompetenz – dem Wissen und Können, wie man in Verbindung bleibt, fair streitet, Gefühle ausdrückt, Kritik formuliert und auf den anderen eingeht.

Doch gute Kommunikation beginnt nicht im Gespräch mit dem anderen – sondern bei dir selbst: mit Selbstwahrnehmung, Neugier und dem Mut, keine schnellen Annahmen zu treffen. Unser Gehirn neigt zum Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Wir sehen lieber, was unser Bild vom anderen bestätigt. Dabei ist echte Verbindung nur möglich, wenn wir lernen, offen zu bleiben – für Unterschiede, Überraschungen und Entwicklung. Think Again ist hier ein super Buchtipp von Adam Grant (2021).

Was macht gute Kommunikation aus?
  • Klare Ich-Botschaften statt Vorwürfe
    („Ich fühle mich…“ statt „Du machst immer…“)
  • Aktives Zuhören – ohne sofort Lösungen anzubieten
    Manchmal möchte dein Gegenüber nicht „gefixt“, sondern verstanden werden. Frag nach: „Habe ich dich richtig verstanden?“ – oder fasse zusammen.
  • Empathie statt Interpretation
    Wir erleben uns selbst oft als komplex – den anderen aber als „so einer“, als statisch. Versuche, nicht das Verhalten zu bewerten, sondern es im Kontext zu verstehen. Frag: Was könnte dein Gegenüber gerade brauchen? Was sagt es aus – und was sagt es nicht?
  • Grenzen respektieren und benennen
    Grenzen können ermöglichen und schützen. Wie eine Haut, die durchlässig, aber schützend ist. Frage dich: Wo endet mein Erleben – und wo beginnt deines? Beziehungen brauchen ein Gleichgewicht aus Nähe und Eigenständigkeit.
  • Den richtigen Moment wählen
    Tiefe Gespräche brauchen Raum. Nicht zwischen Tür und Angel – sondern in einem „sicheren Container“, in dem man ehrlich und ohne Angst sprechen kann.
  • Sich entschuldigen
    Wenn du verletzt hast, übernimm Verantwortung. Das bedeutet nicht, Schuld auf dich zu laden – sondern Verbindung wiederherzustellen.
Häufige Kommunikationsfallen
  • Verallgemeinerungen wie „immer“ und „nie“
    → Sie führen zu totalistischem Denken und verhindern echte Auseinandersetzung.
  • Negativspirale: „Es ist halt so.“
    → Versuche, wieder Positives zu sehen. Die rosarote Brille aufsetzen: Was könnt ihr gut? Worin habt ihr euch verliebt?
  • Rückzug oder Schweigen
    → Statt dich zu entziehen, versuche, im Kontakt zu bleiben. Sag z. B.: „Ich brauche gerade etwas Zeit, komme aber darauf zurück.“
  • Dominanz oder ständige Rechtfertigung
    → Beziehung ist kein Machtspiel. Statt „Macht über“ braucht es „Macht zu“: gemeinsam gestalten, statt gegeneinander argumentieren.
  • Beziehung braucht Sprache – echte Sprache
    Nicht nur über den Alltag, sondern über das, was euch innerlich bewegt. Was du brauchst. Was du fühlst. Was du dir wünschst. Sprich nicht nur funktional, sondern verbindend. Offenheit ist der Schlüssel zu Nähe – auch wenn sie Mut erfordert. Denk daran, was euch einmal verbunden hat – und bleibt neugierig aufeinander.
  • Ein kleiner Tipp abgeleitet aus dem Buch „Die Wahrheit beginnt zu zweit – das Paar im Gespräch“ von Michael Lukas Moeller (1998).
    Nehmt euch täglich (oder wöchentlich) z.B. 15 Minuten Zeit – keine Alltagsplanung, kein „Organisieren“, sondern die einfache Frage: Was bewegt dich? Jeweils 15 Minuten zuhören und 15 Minuten die Zeit nutzen, um sich zu öffnen – wie man sich wohl fühlt.
Auch Rollen wollen neu verhandelt werden

Unsere Herkunft prägt unsere Beziehungsskripte – und oft auch die Rollen, die wir unbewusst übernehmen: Versorger:in, Vermittler:in, Verantwortliche:r. Doch manchmal füllen wir Rollen aus, für die wir uns nie beworben haben – oder wir haben sie zu lange getragen.
Frage dich:

  • Welche Rolle habe ich (noch)?
  • Welche möchte ich (nicht mehr)?
  • Wie können wir Rollen flexibel und gleichwertig gestalten?
Schwierige Gespräche führen – mit Verbindung

Schwierige Gespräche fühlen sich oft an wie ein Bruch. Dabei können sie ein Tor zu echter Intimität sein – wenn sie achtsam geführt werden. Starte mit deinem echten Anliegen, nicht mit Vorwürfen. Sag z. B.: „Das ist schwer für mich – und ich möchte es trotzdem sagen, weil mir unsere Beziehung wichtig ist.“ Oder: „Ich weiss, dass das schwierig zu hören ist. Kannst du mir helfen, es richtig zu sagen?“

Fazit

Kommunikation erfordert Selbstreflexion, Neugier, Zuhören, Grenzen und Offenheit. Esther Perel erinnert uns:
„Beziehungen sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind tägliche Praxis.“

Buchtipps & Quellen:

Bodenmann, G. (2016). Bevor der Stress uns scheidet: Resilienz in der Partnerschaft (2., unveränd. Aufl.). Hogrefe.

Grant, A. (2021). Think again: The power of knowing what you don’t know. Viking.

Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux

Perel, E. (2020). Where should we begin? A game of stories. Esther Perel Global Media.

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